Jurte

„WIR SIND VOM GLÜCK BEGÜNSTIGT – WIE EIN VOGEL, DER FLÜGEL HAT. WIR KÖNNEN DAHIN FLIEGEN, WO ES UNS GEFÄLLT.“

-Lejeng Kusin, Nomade aus Borneo

Eine mongolische Jurte ist ein ganz besonderer Ort. Die Erzählerin Marianne Fritz aus Magdeburg, die selbst auch in ihre eigene Jurte einlädt, beschreibt es folgendermaßen:

Haus und Heimat bilden in der mongolischen Sprache das gemeinsame Wort für Jurte. Gemeint sind zugleich Landschaft und Erdenrund. Stellen Sie sich ein leuchtend weißes Zelt mit Herdfeuer im Inneren vor. Es dient in der unwirtlichen Steppe als Wohnstätte, Eß- und Schlafplatz wie als Versammlungsort. Eine Filzhaut schützt seine Bewohner vor Hitze im Sommer und vor Kälte im Winter.

Märchen und Gesänge, Zeremonien und Magie gehören seit Jahrtausenden zum Leben nomadischer Gemeinschaften überall auf der Erde. Die runde Jurte bietet Raum für ein mobiles ErzählTheater. Als Gäste müssen wir nicht anklopfen. Wir sind willkommen. Kinder können leicht durch die niedrige Tür eintreten. Erwachsene müssen sich tief bücken, weil der Mensch klein ist als Bewohner der „großen Jurte“ unter freiem Himmel.

Die Kuppel über unseren Köpfen im Innenraum der „kleinen Jurte“ symbolisiert den Kosmos. Der Raum, den die Scherengitter fassen, steht für die Lebenswelt des Menschen. Der Fußboden und was darunter liegt, für die Unterwelt. Wer zwischen den Stützpfeilern hindurchgeht, so heißt es, bringe das Weltgefüge ins Wanken.

Ein sinnliches Rund erwartet uns: Es riecht es nach Kuh, Schaf, Ziege, Kamel und Pferd, eben nach der Kreatur der Steppe. Die einzige Tür ist nach vorne in Richtung Süden gerichtet. Auch für hinten: Norden, rechts: Westen und links: Osten werden gemeinsame Worte verwendet. Die Rauchöffnung im Zentrum gibt den Blick in den Himmel frei und dient als Sonnenuhr. Ein mongolischer Nomade weiß, um welche Stunde ein Sonnenstrahl auf eine bestimmte Stelle in der Jurte fällt.

Wer eintritt, ist geborgen, wird auf einfache Weise bewirtet und kann sich bisher ungewohnter Zeit- und Raum Erfahrung überlassen. Eine Jurte aus den Schwarzen Bergen des mongolischen Altai kam als nomadisches Haus in unser Land und wird hier nun reich mit Märchen, Mythen und erlebten Geschichten aus aller Welt gefüllt. Herzlich Willkommen.

„WIR SIND STÄNDIG UNTERWEGS, STÄNDIG AUF DER SUCHE NACH EINEM ORT, AN DEM ES UNS GEFÄLLT UND AN DEM WIR GLÜCKLICH SEIN KÖNNEN.“

-Lejeng Kusin, Nomade aus Borneo